Tipp des Monats September 2002
Das indische Springkraut

Ihr kennt es bestimmt, das indische Springkraut (oder auch persisches
Springkraut, lat. Impatiens glandulifera) mit seinen dicken, rötlichen, bis zu zwei Meter
hohen Stengeln, seinen wunderschönen Blüten und den großen Samenkapseln. Die
interessanten Blüten können verschiedene violette Färbungen annehmen, von fast
Weiß über Rosa bis hin zu tief dunklem Lila. Wo sich das Springkraut einmal
angesiedelt hat, ist es (zum Glück!) kaum wieder auszurotten. Die ersten Blütenstengel
zeigen sich im August. Im September legt das Springkraut dann so richtig los und bildet
mancherorts herrlich anzusehende Blütenmeere.
Eßbar sind die Blüten und Samenkapseln, nicht jedoch die Stengel oder
Blätter. Letztere schmecken einfach grässlich! Die Blüten schmelzen beinahe im
Mund, manchmal kann man deutlich den süßen Nektar in ihnen schmecken. Der ist auch
sehr beliebt bei den Hummeln. Also Vorsicht: Schaut Euch die Blüten an, bevor Ihr Euch
über sie hermacht. Die Hummeln krabbeln nämlich ganz in die Blüte hinein und sind
auf den ersten Blick nicht immer zu sehen.
Die Samenkapseln schmecken leicht nussig und sind recht fetthaltig. So richtig lecker sind die
voll ausgereiften. Sie sind dann ganz groß, dick und prall. Würde man sie
pflücken, würden sie sofort aufspringen und ihre Samen weit in die Umgebung schleudern.
Deshalb berühren wir sie nicht sondern nehmen sie gleich vorsichtig in den Mund, wo sie dann
beim Aufplatzen ein lustiges Gefühl erzeugen. Den ultimativen Geschmackskick erhält
man, wenn man eine reife Samenkapsel und eine Blüte gleichzeitig in den Mund nimmt und
zerkaut. Göttlich!
Das indische Springkraut besticht nicht nur durch seine Optik, seinen Geschmack
und den lustigen "Plopp" der reifen Samenkapseln. Es verströmt auch einen
bezaubernden Duft. Man riecht ihn schon von weitem.
Was ich persönlich so besonders daran liebe, ist der Vorgang des Essens
selber. Das Abbeißen vom Stiel, ohne irgendetwas vorher abzupflücken, hat für
mich einen ganz besonderen Reiz. Da stehe ich dann inmitten der Stengel, die häufig
höher sind als ich selber, biege die Pflanzen zu mir her, wähle die reifsten
Samenkapseln aus und beiße genüsslich zu. Direkt neben mir höre ich die Hummeln
summen, spüre, wie sie ab und zu mein Gesicht streifen. Wir bedienen uns friedlich Seite an
Seite von diesen herrlichen Blumen. Die Augen erfreuen sich immer wieder an den Farben und ich
frage mich, ob ich denn nun lieber eine rosa oder eine dunkel violette Blüte essen
möchte. So mitten drin in all der Pracht fühle ich mich der Natur unbeschreiblich
nah.
Bei all den Verlockungen mag man gar nicht aufhören zu essen. Aber auch da
hat die Natur vorgesorgt. Das indische Springkraut verfügt über einen
zuverlässigen Warnmechanismus. Wenn der Körper genug davon hat, beginnen die Lippen zu
brennen.
Indisches Springkraut ist bei uns zur Zeit häufig der erste Gang eines
grandiosen Drei-Gänge-Urkost-Mahles. Der zweite Gang besteht aus Brombeeren, die in unserem
Wald zu Hauf wachsen. Das Ganze wird abgerundet durch ein Löwenzahn-Dessert. Bleiben da noch
Wünsche offen?
Wir wünschen Euch viel Genuss im Schlemmermonat September!
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